Lyrik

Zitat von Friedrich Hölderlin


Vollendete Natur muss

in dem Menschenkinde leben,

eh es in die Schule geht,

damit das Bild der Kindheit

ihm die Rückkehr zeige

aus der Schule zur

vollendeten Natur.

***


Herbstblatt


 Ein Herbstblatt stellte sich die Frage:

 Wo es denn sei,

das Grün vergangener Tage?

 Und wähnte schon,

es läg‘ an der Ernährung,

 der Baum Saft neige ja gelegentlich

 zur Gehrung.

*

 Was tun,

denkt es und sammelt seine Kräfte,

 sich abzuschotten gegen diese bitteren Säfte.

 Welch Irrtum,

denn der Teint wird trotzdem bleicher!

 Und auch der Halteapparat

wird weich und weicher.

 Ein Windstoß schließlich

trennt das Blatt vom Baum

 Es schwebt zu Boden.

Aus der grüne Traum!

 Das Blatt gesellt sich zu dem andern Laub.

 Noch ein paar Wochen hin,

und es zerfällt zu Staub.

***

von© Klaus Reißig


Weisheit von Khalil Gibran


Das Ich ist ein Meer, grenzenlos und unermesslich.

Sagt nicht:

Ich habe die Wahrheit gefunden,

 sondern lieber:

Ich habe eine Wahrheit gefunden.

Sagt nicht:

Ich habe den Pfad der Seele gefunden.

 Sagt lieber:

Ich habe die Seele auf meinem Pfad wandelnd getroffen.

Denn die Seele wandelt auf allen Pfaden.

 Die Seele wandelt nicht auf einer Linie,

noch wächst sie wie ein Schilfrohr.

 Die Seele entfaltet sich wie eine Lotosblume

mit zahllosen Blättern.

 ***


In Gedanken…


… mein Herz

 Betrübt war mein Leben, Müdigkeit bestimmte den Tag

 Jede Hoffnung verloren, abgekommen vom Pfad.

 Doch in der dunkelsten Stunde, von Trübsal gebannt

 was ich aufgab zu suchen, kaum glaubend, ich fand.

*

 Eine Schulter zum Anlehnen, Frohsinn der mich erquickt

 Augen die strahlen, ein Lächeln das mich entzückt

 Ein Ohr das mir lauscht, auch Ungesagtes versteht

 Wind der mich trägt und meine Ängste verweht.

*

 Sehnsucht ohne zu sehnen, Vertrauen ohne zu zweifeln,

 Freundschaft ohne zu fragen, Gedanken die mich begleiten

 Geborgenheit spüren, sei es Tag oder Nacht

 Ein Herz das mir schlägt, im Schlaf über mich wacht.

*

 Vieles mehr könnt ich aufzählen, es nähme kein Ende

 Seiten um Seiten, gefasst in Bücher und Bände

 Egal was ich auch schreibe, nur ein Gedanke bleibt mir

 Und das bist Du… Mein Herz gehört Dir.

***

© Carsten Franz-Josef Pricken


guten Morgen….


good morning!

Zitat am Morgen:

Wir müssen von Zeit zu Zeit

eine Rast einlegen und warten,

 bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.

***

Indianische Weisheit


Seelenfrieden


Lass ruhen die Vergangenheit,

 denn ändern wirst du doch nichts mehr.

 Es kommt zu dir im bunten Kleid

 die Zukunft und bringt Neues her.

 Zupfe nicht an jenen Schleiern,

 die bedecken, was geschah.

 Statt alte Feste nur zu feiern

 sieh was sein kann, nicht was war.

 Dein Leben, wie es einst gewesen

 verändert stets der Zahn der Zeit.

 Die Seele niemals kann genesen,

 wenn dies hinzunehmen du nicht bist bereit.

 Drum blick nach vorne, nicht zurück,

 hör auf im Damals zu verweilen.

 Im Heut und Morgen such dein Glück

 und deine Seele, die kann heilen.

***

Text von © Sarah Razak


Lebensherbst


 Ein Pärchen im greisen Alter

 sitzt verträumt an einem Hang.

 Er streichelt ihre welken Hände,

 die treu geschafft ein Leben lang.

*

 Sie ist für ihn ein Edelstein,

 eine Kostbarkeit, die nie vergeht;

 er für sie ein Felsgestein,

 das allen Stürmen widersteht.

*

 Es herbstelt schon, und matte Strahlen

 schimmern durch das bunte Laub.

 Lange Schatten Bilder malen

 auf der Wege dunklem Staub.

*

 Taumelnd schweben müde Blätter

 den beiden Alten vor den Fuß.

 Übermütige Frühlingsträume

 winken jetzt zum Abschiedsgruß.

*

 Weltentrückt in fremde Sphären,

 ahnt jeder, was der andre denkt,

 hoffend, dass nicht er es wäre,

 der als letztes Blatt am Baume hängt.

***

Text von© Annegret Kronenberg


Herbstblätter


Die Kraft der Sonne

 reicht noch hin,

 die Seele still

 mit Heiterkeit zu füllen,

 mit Glanz und Licht

 der warmen Wälder,

 darin die bunten Blätter

todesselig niedersinken.

***

© Dr. Carl Peter Fröhling


Auf „meinem“ Berg


 

Still liegt mir die Welt zu Füßen,

lauer Wind zerzaust mein Haar,

Gipfel in der Ferne grüßen,

fühl mich frei und wunderbar

Wenn die Berge dann erglühen,

tief im roten Abendschein,

wird mein inneres Glück erblühen

und wäscht jeden Trübsinn rein

Wie ein Paradies auf Erden,

wie ein Platz im Himmelreich:

Um mich weiden Schäfchenherden,

ihre Wolle – seidenweich

Stürme singen ihre Lieder,

pfeifend stimme ich mit ein.

Oh mein Berg, Du hast mich wieder,

bin so glücklich, hier zu sein.

*** 

©Verfasser leider unbekannt

 

 

 


Das Gebet des Waldes


Mensch…

Ich bin die Wärme deines Heimes

in den kalten Winternächten,

der schirmende Schatten,

wenn des Sommers Sonne brennt.

Ich bin der Dachstuhl deines Hauses,

das Brett deines Tisches.

Ich bin das Bett, indem du schläfst.

Ich bin das Holz,

aus dem du deine Schiffe baust.

Ich bin der Stiel deiner Haue,

die Türe deiner Hütte.

Ich bin das Holz deiner Wiege

und deines Sarges.

Ich bin das Brot der Güte,

die Blume der Schönheit.

Erhöre mein Gebet:

Zerstöre mich nicht!

***

Verfasser leider unbekannt