Lyrik

Paradox….Paradoxical


Paradox ist

die Einsamkeit genau der Menschen,

die alles das in sich vereinen,

wonach sich doch angeblich jeder sehnt.

Liebe, Offenheit, Ehrlichkeit,

Vertrauen, Gefühl…

sind eben doch Dinge,

 mit denen niemand umgehen kann.

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Paradoxical is

The solitude of the people,

Which combine all that in itself,

Which allegedly everyone is longing for.

Love, openness, honesty,

Trust, feeling …

Are just things,

with which no one can handle.

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© Damaris Wieser


Stimmen unserer Erde…


Wir haben den Sinn für das Mystische und Heilige verloren. Wir hören die Stimmen unserer Erde nicht mehr. Die Wälder sind nur mehr hier, um ausgenützt zu werden. Die wenigen Menschen, die noch eine tiefe Beziehung zu den Wäldern aufbauen sind die Dichter und Maler, doch sie werden nicht selten wegen ihrer Gefühlsorientiertheit belächelt. In Wirklichkeit wird ein Baum nur mehr nach seinem Nutzen und seinem wirtschaftlichen Wert betrachtet. Die Herausforderung hingegen ist es, wieder zu akzeptieren, dass Bäume auch ein Recht auf Leben haben, ja dass alle Lebewesen auf der Welt ein Recht haben zu leben.

 Wenn unser Recht in der Welt zu leben heilig ist, so müssen wir auch akzeptieren, dass die Rechte der anderen der anderen Lebewesen heilig sind. Wenn wir dies nicht respektieren und die Erde plündern, in der Hoffnung dabei unser eigenes Wohlergehen zu verbessern, so stellen wir schnell fest, dass das Netzwerk unseres Planeten geheimnisvoller ist, als wir je gedacht haben und dass wir es nie beherrschen können.

***

Thomas Berry


Seesterne…


Es war einmal ein älterer Mann, der jeden Morgen einen Spaziergang am Meeresstrand machte.

Eines Tages sah er einen kleinen Jungen, der vorsichtig etwas aufhob und ins Meer warf.

Er rief: „Guten Morgen. was machst Du da?“

Der Junge richtete sich auf und antwortete:

„Ich werfe Seesterne ins Meer zurück. Es ist Ebbe, und die Sonne brennt herunter. Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.“

„Aber, junger Mann“, erwiderte der alte Mann,

 „ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist. Und überall liegen Seesterne. Du kannst unmöglich alle retten, das macht doch keinen Sinn.

“ Der Junge hörte höflich zu, bückte sich, nahm einen anderen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer.

„Aber für diesen macht es Sinn!“


Verfasser leider unbekannt

das Bild erzählt….


 Ich lache ja, bin lustig wie die andern!

 nur dann und wann

 schaut die Verzweiflung mich aus einem Winkel

 der Seele an.

*

 Dann schleiche ich mit jäh erblassten Lippen

 mich still hinaus,

 reiß mir das bunte Narrenkleid vom Leibe

 und weine mich aus.

***

Anna Ritter


Sommer… Hitze


Auf Freunde herunter das heiße Gewand
und tauchet in kühlende Flut
die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt,
und holet von neuem euch Mut.
*
Die Hitze erschlaffet, macht träge uns nur,
nicht munter und tätig und frisch,
doch Leben gibt uns und der ganzen Natur
die Quelle im kühlen Gebüsch.
*
Vielleicht daß sich hier auch ein Mädchen gekühlt
mit rosichten Wangen und Mund,
am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt,
am Busen so weiß und so rund.
*
Und welches Entzücken! dies Wellchen bespült
auch meine entkleidete Brust.
O! wahrlich, wer diesen Gedanken nur fühlt,
hat süße entzückende Lust.

***

Novalis


Durch die Blume…


Lasst Blumen sprechen.

Eine schöne, alte Geste.

Leider wurde sie allzu sehr auf

Wort-Blumen übertragen!

Immer wieder will ich Menschen zurufen:

„Sag’s nicht durch die Blume.

Rede direkt und offen über dich,

deine Welt und deine Sorgen und Ängste!“

Wir könnten alle glücklicher leben

und Sinn erfüllter sein,

wenn wir endlich wieder

offener und direkter werden!

***

von© Irina Rauthmann


das Kind…


Das Kind ist wie eine Pflanze,

es entwickelt sich der Atmosphäre gemäß,

in der es atmet.

Keine spätere Strenge kann wieder gutmachen,

was der frühe, wenn auch unverstandene Anblick

on niedrigen und oberflächlichen Dingen

in ihm verdorben hat.

Für das Mädchen aber insbesondere

gibt es fast kein wichtigeres Erziehungsmittel

als das Beispiel.

Seine leicht erregbare Natur

nimmt die guten wie die schlechten Eindrücke

mit überraschender Schnelligkeit in sich auf.

 ***

von Luise Büchner


das Meer


 Sanft liegt es vor mir, das Meer

 erschöpft vom Spiel der Gezeiten

 kein Sonnenstrahl tanzt

 keine Welle bäumt sich auf

 es weht nur ein

 leiser Hauch Melancholie

 bewegt erstarre ich

 Gewahr deiner wirklichen Schönheit

***

© Matthias Weser


Wetterwolke


Hinten am Horizont

steht wie ein ungeheures Schreckbild

eine schwere schnaubende Wolke.

heißer glühender Sand

fährt in die Pausen

sengend durch die Luft.

Was willst du hier und woher kommst du?

Aus welcher Gegend hast du dich verirrt

in meiner Heimat stilles Wiesental,

wo klein und unscheinbar die Blumen stehen

und die friedlichen Obstbäume blühen,

denen du bange machst?

Was willst du hier, du Wüstengeist?

Willst du Feuer nieder regnen

auf dies blühende Eden meiner Kinderträume,

dass die grünen Halme verdorren

und ihre Würzlein sich zum Tageslicht kehren?

Duckt euch, ihr Blumen und Pflanzen all

und du buntes Getier!

werft euch zu Boden und haltet den Atem an,

wenn es vorüberzieht,

das fremde feindliche Ungetüm!

Mag es die Meere aufwühlen,

dass die Bronnen der Erde rauchen!

Denn dort steht Kraft gegen Kraft

und die Kräfte sind gleich!

Aber du, mein Tal,

wo die Zufriedenheit wohnt,

halte den Atem an,

dass du den Gluthauch nicht spürst,

bis es vorüber ist –

bis die Rosenwölkchen der Abendsonne

deinen Himmel verklären!

*** 

Ludwig Scharf


guten Morgen und einen schönen neuen Tag…


good Morning and a beautiful new day…

Lob an den neuen Tag:

Der Mensch ist nie in die alten Tage,

ich war in die alten Tage,

wie ich zwanzig Jahre alt war,

denn diese Tage sind jetzt schon so alt,

dass ich seitdem eine Unzahl neuer gebraucht habe

zum Verleben.

Die jetzigen sind meine jungen Tage,

der heutige ist mein jüngster,

 und die noch nachkommen werden,

 sind gar jung,

weil sie zu den noch ungebornen gehören.

***

Johann Nepomuk Nestroy