Lyrik

Natur von Johann Wolfgang von Goethe


Wir sind von ihr umgeben und umschlungen –

unvermögend, aus ihr herauszutreten,

und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen.

 Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns

in den Kreislauf ihres Tanzes auf

und treibt sich mit uns fort,

bis wir ermüdet ihren Arm entfallen.

***


in meinem Haus….


In meinem Haus da schlafe ich

 da esse ich.

 Und wenn du willst

 dann öffne ich die Tür

 und lass dich ein.

 In meinem Haus da lache ich

 da weine ich, da träume ich

 und wenn ich will

 dann schließe ich die Tür

 und bin allein.

***

© W. Thierfelde


zum 2. ADVENT Sonntag


 Segen sei mit dir,

 der Segen strahlenden Lichtes,

 Licht um dich her

 und innen in deinem Herzen.

*

 Sonnenschein leuchte dir

 und erwärme dein Herz

 bis es zu glühen beginnt

 wie ein großes Torffeuer,

 und der Fremde tritt näher,

 um sich daran zu wärmen.

*

 Aus deinen Augen strahle

 gesegnetes Licht

 wie zwei Kerzen

 in den Fenstern deines Hauses,

 die den Wanderer locken,

 Schutz zu suchen dort drinnen

 vor stürmischer Nacht.

***

Altirischer Segenswunsch

 


Sankt Nikolaus


Es fürchten die Kinder Sankt Nikolaus

und seine Rutenhiebe,

doch teilt er die süßen Gaben aus,

verwandelt sich Schrecken in Liebe.

*

Sankt Nikolaus ist des Lebens Bild

mit seinen Schicksalsstreichen,

mit seinen Gaben, süß und mild,

und den Tagen, den freudenreichen.

***

Friedrich Pesendorfer


Eine kleine Geschichte..


In der Geschichte geht es um eine kleine Welle,

die auf der Oberfläche

des Ozeans entlang hüpft und unglaublich viel Spaß hat!

Sie genießt den Wind und die frische Luft, bis sie bemerkt,

das vor ihr noch andere Wellen sind,

die alle an der Küste zerschellen.

„Mein Gott das ist ja schrecklich“, sagt die Welle.

„Wenn ich  mir vorstelle was passieren wird!“

Da kommt eine andere Welle vorbei.

Sie sieht die erste Welle,

die grimmig dreinschaut, und fragt:

„Warum siehst Du so traurig aus?“

Die erste Welle sagt:

„Du verstehst überhaupt nicht, was los ist!

Wir werden allesamt an der Küste zerschellen!

Wir, alle Wellen, werden nichts sein!

Ist das nicht schrecklich?“

Die zweite Welle sagt:

„Nein, Du verstehst nichts.

Du bist nicht eine Welle,

Du bist ein Teil des Ozeans.“

***

Mitch Albom


der erste Advent….


Das Feuer lodert, die Kerze brennt,

das ist kein Wunder: der erste Advent.

Während wir hier sitzen, und den Kuchen genießen,

müssen andere auf der Welt viele Tränen vergießen.

Denn so gut wie uns geht es nicht allen,

es sind zwei Welten, die aufeinanderprallen.

Auf der einen Seite Luxus und jede Menge Geld,

auf der anderen Leid und eine ärmliche Welt.

Daran sollten wir denken, während wir hier sitzen,

und über Gans, Ente und Kuchen schwitzen.

***

Verfasser unbekannt

 


Gedanke


Es gibt im Leben Stunden,

da zieht man sich zurück,

von dem Gewühl der Menge,

von jedem Menschenblick.

Man setzt sich hin und träumt dann,

denkt an die Vergangenheit,

manch froh erlebter Tage

und an die Charterzeit.

Gedenkt wohl eines jeden,

den näher man gekannt –

der Freundinnen und Freunde,

die man im Leben fand.

Man klickt dann auf den Ordner,

der längst vergessen blieb,

durchblättert seine Mails

und liest, was jeder schrieb.

Es schwebt manch treuer Name

dem regen Geiste vor,

mach längst Vergessenes taucht dann

ans Tageslicht empor.

Und es entsteht ein Wogen

von Bildern schön und viel;

sie schwinden, kehren wieder,

ein tolles Maskenspiel.

Und in dem Aug´, dem trüben,

sieht man bald Tränen steh´n.

Der Mund, der flüstert leise:

Die Zeiten waren schön!

©

„Danke“ dem unbekannten Verfasser


Heute musst du glücklich sein…


Willst du ein sicheres Mittel wissen,

um niemals glücklich zu sein?

Hänge traurig an den schönen Tagen,

die endgültig vorbei sind.

Warte ewig auf das Glück,

das irgendwann einmal kommen soll.

Denke nicht zu schnell,

du könntest dann erst glücklich sein,

wenn du dieses Ziel erreicht und

jenen Sieg errungen hast,

wenn dir ein Auto oder ein Haus gehört,

wenn du einen Supermann oder eine Traumfrau hast,

wenn du dir kostspielige Hotels

und weite Reisen leisten kannst.

Das wahre Glück ist kein extravaganter Luxusartikel,

unerschwinglich teuer und unerreichbar fern.

Das Glück ist ganz nahe.

Am Tag von heute blühen kleine Freuden an deinem Weg.

Du musst sie nur entdecken und zu schätzen wissen

und dankbar dafür sein.

Hör auf, die Nöte von gestern wiederzukäuen.

Mach dir keine sinnlosen Sorgen um die Zukunft.

Wenn du heute nicht glücklich sein kannst,

erwarte nicht, dass morgen ein Wunder geschieht.

Heute musst du glücklich sein.

***

Phil Bosmans


Zitat von Peter Rosegger


Kein Mensch auf Erden

hat mir so viel Freude gemacht

 als die Natur mit ihren Farben,

Klängen,

Düften,

mit ihrem Frieden

und ihren Stimmungen.

***


die Suche….


…vor Eifer

suchte ein Mensch das Leben

Es war ihm abhanden gekommen,

irgendwie im lärmenden Getümmel der Stadt,

den grell aufblitzenden Neonlichtern kurzer Nächte

irgendwo zwischen den Akten in seinem Büro.

Vor dem Fernseher zu Hause

er suchte es auf dem Sportplatz

am Stammtisch in der Kneipe.

Vergebens…

die Suche trieb ihn hinaus vorbei an den Feldern

und er sah nicht

die braunen Schollen durchfurchter Erde.

Stromauf und stromab eilte er

und er hörte nicht

das sanfte Rauschen des Wassers.

Wälder durchstreifte er

und atmete nicht den Duft regenfeuchter Pflanzen,

rannte auf den Wegen und spürte nicht

die Formen der Steine unter seinen Füßen,

denn er suchte das Leben im Vorbeilaufen

und lief vorbei am Leben.

*

Ein Moment der Stille

und der Aufmerksamkeit

und er hätte gefunden wonach er suchte.

***

© Ralph Loevenich