Gedichte

Durch die Blume…


Lasst Blumen sprechen.

Eine schöne, alte Geste.

Leider wurde sie allzu sehr auf

Wort-Blumen übertragen!

Immer wieder will ich Menschen zurufen:

„Sag’s nicht durch die Blume.

Rede direkt und offen über dich,

deine Welt und deine Sorgen und Ängste!“

Wir könnten alle glücklicher leben

und Sinn erfüllter sein,

wenn wir endlich wieder

offener und direkter werden!

***

von© Irina Rauthmann


das Meer


 Sanft liegt es vor mir, das Meer

 erschöpft vom Spiel der Gezeiten

 kein Sonnenstrahl tanzt

 keine Welle bäumt sich auf

 es weht nur ein

 leiser Hauch Melancholie

 bewegt erstarre ich

 Gewahr deiner wirklichen Schönheit

***

© Matthias Weser


Wetterwolke


Hinten am Horizont

steht wie ein ungeheures Schreckbild

eine schwere schnaubende Wolke.

heißer glühender Sand

fährt in die Pausen

sengend durch die Luft.

Was willst du hier und woher kommst du?

Aus welcher Gegend hast du dich verirrt

in meiner Heimat stilles Wiesental,

wo klein und unscheinbar die Blumen stehen

und die friedlichen Obstbäume blühen,

denen du bange machst?

Was willst du hier, du Wüstengeist?

Willst du Feuer nieder regnen

auf dies blühende Eden meiner Kinderträume,

dass die grünen Halme verdorren

und ihre Würzlein sich zum Tageslicht kehren?

Duckt euch, ihr Blumen und Pflanzen all

und du buntes Getier!

werft euch zu Boden und haltet den Atem an,

wenn es vorüberzieht,

das fremde feindliche Ungetüm!

Mag es die Meere aufwühlen,

dass die Bronnen der Erde rauchen!

Denn dort steht Kraft gegen Kraft

und die Kräfte sind gleich!

Aber du, mein Tal,

wo die Zufriedenheit wohnt,

halte den Atem an,

dass du den Gluthauch nicht spürst,

bis es vorüber ist –

bis die Rosenwölkchen der Abendsonne

deinen Himmel verklären!

*** 

Ludwig Scharf


Schwächen….


Schwächen mögen dich vielleicht nicht in dem Sinne

attraktiv machen,

aber sie machen dich menschlich

und wie heißt es so schön?

Das perfekte bewundern wir,

aber lieben können wir nur das fehlerhafte.

Wir sind alle nur Menschen,

mit unseren kleinen Fehlern,

Schwierigkeiten und Schwächen.

Ich finde das klasse.

Vor allem,

weil man sich in seinen Freunden

und in seinem Partner Menschen sucht,

die mit diesen Schwächen – im Idealfall – umgehen können

und sie vielleicht sogar mit ihren Stärken ergänzen

Wenn wir alle perfekt wären,

so würden wir einander nicht mehr bedürfen.

Gerade diese Anfälligkeit für Menschlichkeit ist es,

so denke ich, die uns an Menschen bindet.

***

Marie Methfessel


Sommertag…


 Es riecht nach Sommer ringsumher,

 nach prallen Blüten, satt und schwer,

 nach trocknem Gras und grünem Laub,

 nach reifem Korn und Blütenstaub.

 Glühendheiß vom Himmelszelt

 der Sonnenschein herniederfällt.

 Ein Flimmern durch die Lüfte zieht,

 die Grillen zirpen froh ihr Lied.

 Im grünen Farn die Mücken spielen,

 am Tümpelrand die Frösche schielen.

 Die Bienen hängen sich mit Freud‘

 an der Heide Glockenkleid.

 Schmetterlinge aller Arten

 tauchen ein im Blütengarten.

 Kein Windhauch sich nur regen mag

 an diesem schönen Sommertag.

 ***

© Annegret Kronenberg


Lächle…


Lächle,

denn es gibt

einen Frühling in deinem Garten,

der die Blüten bringt,

einen Sommer,

der die Blätter tanzen und

einen Herbst,

der die Früchte reifen läßt.

*****

Aus Arabien


niemand hindert uns….


 

Niemand hindert uns daran, so zu leben, wie wir uns es wünschen. Es sind auch nicht »die Umstände«, die uns einengen: Wir begrenzen uns selbst. Wir halten uns an Normen und Regeln, deren Sinn wir schon lange nicht mehr hinterfragen haben. Wir opfern die Lebenslust unserer Bequemlichkeit, unserer Trauer und unseren Ängsten. Vor lauter Angst wir selbst zu sein.

 Es ist die Angst, nicht akzeptiert zu werden, wenn wir uns so zeigen, wie wir wirklich sind, die Furcht, nicht mehr dazuzugehören.

 Es ist die Unsicherheit von unseren eigenen Gefühlen überwältigt zu werden und vielleicht unser Leben verändern zu müssen, die Angst, das Bekannte gegen das Neue, Unbekannte einzutauschen.

 Jeder Mensch schafft sich seine eigene Realität – d.h. seine Probleme, aber auch seine Freuden…

Wer wieder die Verantwortung für sein Leben übernimmt, widmet sich seiner wirklichen Bestimmung: er selbst zu sein.

 Der Weg zu unserer eigenen Mitte führt über andere Menschen. In ihnen erkennen wir uns, sie sind Spiegel und Helfer.

***

Unbekannt


schönen guten Morgen…


beautiful good morning

Gedanken am Morgen:

Da kommt der neue Tag

von fern übers Meer

über den Zaun

in den Garten

und nimmt Platz

auf der weißen Bank

*

ich setz mich hinzu

mit dem Bündel

aller Tage

mit dem Gepäck

der vielen Jahre

 *

da fällt es von mir

das Bündel der Zeit

fällt ganz leise

in den Schoß

des neuen Tages

***

von Annemarie Schnitt


Sehnsucht


Sehnsucht

Nach dir, mein Wind

Der meine Träume trägt

Wenn meine Gedankenwelt

Auf die Reise geht

Sehnsucht

Nach dir, meine Sonne

Die mein Herz erhellt

Wenn Traurigkeit

Meine Seele quält

 *

Sehnsucht

Nach dir, meine Luft

Die mich befreit

Wenn extreme Belastungen

Mir den Atem nehmen.

 *

Sehnsucht

Nach dir, meine Erde

Die mir Heimat ist

Wenn ich keinen

Halt mehr finde.

 *

Sehnsucht, die immer mit mir ist.

*** 

© Sabine Fenner

 


Die Seele baumeln lassen… let the soul dangle…


Blauer Himmel, Sonnenschein,

mit Gott und sich zufrieden sein,

Glücksgefühl durchströmt den Geist,

ein Atemhauch, der Stille heißt,

Herz und Sinne ruhen entspannt,

ein leichter Wind streicht übers Land,

mit Aug‘ und Ohr die Pracht erfassen,

und so die Seele baumeln lassen.

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Blue Sky, Sunshine,
With God and be satisfied,
Feelings of happiness flow through the mind,
A breath, which is called stillness,
Heart and mind rest relaxed,
A light wind sweeps across the country,
capture the splendor with eyes and ears,
And so let the soul dangle.

© Oskar Stock